Veli Saçılık bewirbt sich um HDP-Kandidatur

Der Soziologe und Aktivist Veli Saçılık hat sich in Ankara um eine Kandidatur bei der HDP beworben.

Der per Notstandsdekret aus dem öffentlichen Dienst entlassene Soziologe und Yüksel-Aktivist Veli Saçılık hat sich um eine Kandidatur für das türkische Parlament in der erzwungenen Neuwahl am 24. Juni bei der HDP beworben.

Saçılık gehört zu den unzähligen Aktivist*innen, die seit 546 Tagen in der Yükselstraße in Ankara an der Aktion „Wir wollen unsere Arbeit zurück“ teilnehmen, die aus Protest gegen ihre Entlassung aus dem Staatsdienst von den Akademiker*innen Nuriye Gülmen und Semih Özakça ins Leben gerufen wurde.

„Frieden und Freiheit werden siegen”

Zu seiner Bewerbung um eine Kandidatur bei der Demokratischen Partei der Völker sagte Saçılık: „Als Reaktion auf all die Massaker habe ich mich mit der Devise ‚Frieden und Freiheit werden siegen‘ dazu entschlossen, mich für eine Kandidatur zu bewerben. Nie im Leben werde ich Seite an Seite mit denjenigen stehen die sagten, der Zahn des Wolfes hat Blut geleckt. Ich musste zeigen, dass mein Platz auf der entgegengesetzten Seite ist. Für mich ist es außerordentlich wichtig, meine Kraft für die Linke, den Sozialismus, die Unterdrückten und alle Völker aufzubringen. Aus diesem Grund habe ich mich bei der HDP beworben“.

‚Einarmiger Aktivist‘

In der Nacht vom 18. auf den 19. Dezember 2000 stürmten 8.500 schwerbewaffnete Soldaten und Gendarmen, darunter auch speziell ausgebildete Spezialbataillone und Eliteeinheiten der Geheimdienste, unter dem Namen „Operation Rückkehr ins Leben“ 20 türkische Gefängnisse. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich etwa 1.150 Gefangene in 48 Gefängnissen im Hungerstreik, 300 von ihnen bereits im Todesfasten, um die Einführung von Isolations- (sog. F-Typ-) Gefängnissen zu verhindern. Veli Saçılık gehörte auch zu den damals aus politischen Motiven inhaftierten Personen. Als die Polizei die Gefängnismauern der Anstalt von Burdur mit Bulldozern einreißen ließ, wurde Saçılık dabei ein Arm amputiert.