Schweiz: Hain für die Gefallenen der Revolution von Rojava

Saint Imier hat eine historische Bedeutung für die internationale anarchistische Bewegung. Nun wird am Mont Soleil in der Nähe der Stadt ein Hain für die in Rojava gefallenen Internationalist*innen gepflanzt.

Saint Imier war im 19. Jahrhundert eine Keimzelle der internationalen Arbeiterbewegung und insbesondere der anarchistischen Organisierung. In Saint Imier wohnten zeitweise viele anarchistische Vordenker wie Michael Bakunin, eine der Schlüsselfiguren des kollektivistischen Anarchismus. Auch heute gibt es in dem Ort starke anarchistische Strukturen. Die Idee einer „radikaldemokratischen, geschlechterbefreiten und ökologischen Gesellschaft“ Abdullah Öcalans, wie sie heute in Rojava gelebt wird, findet mit ihrer anarchistischen und kommunalistischen Tradition auch in Saint Imier ihren Widerhall.

Eine Gruppe Schweizer Aktivist*innen hat angekündigt, im September einen Hain für die gefallenen Internationalist*innen der Revolution von Rojava am Mont Soleil zu pflanzen. Die Zeremonie soll am 14. September stattfinden. An ihr werden auch Familien der Gefallenen und ihre Weggefährt*innen teilnehmen. Das Gebiet wird den Namen „Wald der internationalistischen Gefallenen der Revolution von Rojava“ erhalten. Unter anderem hat das Mont-Soleil-Kollektiv zur Einweihung des Hains aufgerufen.

Sie weiter leben zu lassen ist unsere Verantwortung“

„Im Herzen des syrischen Bürgerkriegs erhob sich das Volk von Rojava und befreite seine Region von der Barbarei des IS. Tausende junger Kurd*innen, Araber*innen, Armenier*innen, Assyrer*innen, Ezid*innen und Turkmen*innen aus der Region kämpften für die Umsetzung des demokratischen Konföderalismus, eines revolutionären Systems, das auf partizipativer Demokratie, Frauenbefreiung und sozialer Ökologie basiert.

Im Geiste der internationalen Brigaden, die gegen den Faschismus in Spanien kämpften, traten Hunderte von Internationalist*innen in die Fußstapfen der Schweizer Revolutionärin Barbara Kistler und zogen los, um die Rojava-Revolution zu verteidigen.

Dutzende von ihnen gaben ihr Leben in diesem Kampf. Ihr Tod ist ein unschätzbarer Verlust und bringt eine kollektive Verantwortung mit sich. Es ist unsere Pflicht, den historischen Kampf dieser Heldinnen und Helden, die Ideale, für die sie gekämpft haben, zu verbreiten. Auf Kurdisch heißt es, dass Märtyrer nicht sterben, weil sie in den Herzen derer leben, die ihren Träumen folgen.

Weil unsere Genoss*innen bei der Verteidigung eines Systems gestorben sind, das darauf abzielt, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Umwelt wiederherzustellen, wollen wir sie in einer Weise ehren, die die Natur respektiert. Von Rojava bis zur Schweizer Jurahöhe zerstört der Klimawandel unsere Ökosysteme. Die Wälder unserer Region sind stark betroffen und es ist wichtig, tief wurzelnde Laubbäume zu pflanzen, um ihre Biodiversität zu erhalten. Wir werden diesen Wald in einer Region pflanzen, die Ende des 19. Jahrhunderts die Gründung der Juraföderation, einer revolutionären und internationalistischen Arbeiterbewegung, erlebte. Im fruchtbaren Boden dieses Tals wollen wir nun die Samen der Rojava-Revolution säen. Wir werden sie auf dem Mont Soleil (auf Deutsch: Berg der Sonne) säen, dessen Name für uns den Sieg über die Dunkelheit des Faschismus symbolisiert.

Mit diesem Wald wollen wir ein lebendiges Denkmal schaffen, das gedeiht und Wurzeln schlägt wie die Ideale der Märtyrer der Rojava-Revolution."