Europaweit Demonstrationen für Şengal

Auf europaweiten Demonstrationen haben am Samstag viele Menschen das mörderische Vorgehen der Türkei gegen die ezidische Gemeinschaft in Südkurdistan angeprangert und einen offiziellen Status für Şengal gefordert.

Auf europaweiten Demonstrationen haben am Samstag viele Menschen das mörderische Vorgehen der Türkei gegen die ezidische Gemeinschaft in Südkurdistan angeprangert und einen offiziellen Status für Şengal gefordert. Zu den dezentralen Aktionen hatte der kurdische Dachverband KCDK-E aufgerufen. Hintergrund der Proteste war ein türkischer Luftangriff auf die von Ezid*innen bewohnte Region Şengal am vergangenen Mittwoch, bei dem vier Mitglieder der Widerstandseinheiten YBŞ ums Leben kamen. Die Türkei setzt mit ihren Angriffen den ezidischen Völkermord des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) aus dem August 2014 fort.

In Bielefeld versammelten sich am Nachmittag zahlreiche Menschen am Hauptbahnhof, um gegen die türkischen Angriffe auf Şengal zu protestieren und ihre Solidarität mit den Bewohner*innen der Region zum Ausdruck zu bringen. Die Demonstration begann mit einer Schweigeminute für die Gefallenen und wurde mit einer Rede einer Jugendaktivistin eingeleitet. Anschließend setzte sich der Marsch Richtung Innenstadt in Bewegung, wo Aktivist*innen Flugblätter zur aktuellen Lage in Şengal und den Besatzungsbestrebungen der Türkei in der Region verteilten und mit interessierten Passant*innen auch persönlich sprachen.

Angeführt wurde der Demonstrationszug mit Fotos der vier YBŞ-Gefallenen. Die Protestierenden riefen Parolen und verlasen unter anderem folgende Zeilen:

Die Türkei setzt mit ihren Angriffen den Völkermord des IS an den ezidischen Kurd*innen aus dem Jahr 2014 fort. Diese Angriffe sind auch diesmal auf ein ziviles Massaker an Kurd*innen aus und Teil der blutigen Besatzungsversuche, die Erdoğan besonders seit dem 9. Oktober mit den Angriffen auf Rojava (Nordsyrien) Hand in Hand mit seinen dschihadistischen Partnern und zusätzlich deutschen Waffen anstrebt. Auch ist ein Ziel der Türkei, das gesellschaftliche Zusammenleben der Zivilbevölkerung in der Region sowie die basisdemokratische Selbstverwaltung Şengals zu vernichten, die kurdischen Verteidigungseinheiten zu schwächen und die Region vollständig zu destabilisieren, um sie damit einfacher an die Türkei annektieren und die kurdischen Errungenschaften vernichten zu können.

Heute ist der Tag, an dem wir unsere Kräfte gegen den faschistischen türkischen Staat vereinen und uns wehren müssen. Wir rufen dazu auf, überall aktiv zu werden und die Stimmen zu erheben! Verteidigen wir die Errungenschaften der Menschen Sengals und ehren wir diejenigen, die im historischen Kampf gegen die türkischen Besatzer und den IS ihr Leben ließen. Der Angriff auf Şengal ist ein Angriff auf uns alle!“

Die Demonstration zog anschließend wieder zum Hauptbahnhof und endete mit einer Abschlussrede. Die Anwesenden riefen dazu auf, sich am Sonntag um zwölf Uhr im Kurdistan Zentrum Bielefeld an der Gedenkveranstaltung für die vier gefallenen YBŞ-Kämpfer zu beteiligen.

Weitere Bilder von Aktionen in Solidarität mit Şengal erreichten uns unter anderem aus Esslingen, Marseille und Wien.