Bundeswehr-Truppenübungsplatz Altmark besetzt

Mit einer Aktion des zivilen Ungehorsams haben Kriegsgegner*innen die „Übungsstadt Schnöggersburg” in der Colbitz-Letzlinger Heide besetzt.

Mit einer Aktion des zivilen Ungehorsams ist am Sonntag die „Übungsstadt Schnöggersburg” in der Colbitz-Letzlinger Heide besetzt worden. Der Truppenübungsplatz der Bundeswehr entsteht seit sieben Jahren an der Stelle einer gleichnamigen ehemaligen Dorf- und Forststelle. Mit der Aktion wurden Kriegsvorbereitungen der Bundeswehr verhindert.

Um 9.15 Uhr vormittags machte sich eine Gruppe von 30 Aktivist*innen auf den Weg nach Schnöggersburg, um gewaltfrei und ungehorsam ein Zeichen gegen aktuell wachsende Militärausgaben und Kriegsvorbereitungen zu setzen, heißt es in einer Pressemitteilung. 

Das Gefechtsübungszentrums GÜZ in der Altmark (Sachsen-Anhalt) gehört zu den modernsten Truppenübungsplätzen der Welt. Hier entsteht seit 2012 auf sechs Quadratkilometern die Stadt „Schnöggersburg”. Fertige Teile der Stadt werden seit 2017 durch die Bundeswehr und durch NATO-Truppen für militärische Übungszwecke genutzt – hier wird Stadt- und Häuserkampf geprobt.

Dagegen wurde 2018 in Schnöggersburg ein „Friedensübungszentrum“ (FÜZ) eröffnet. Gestern öffnete es mit einem Programm wieder seine Türen an der Stadtgrenze. „An diesem Ort, wo Töten geübt wird, beschäftigen wir uns mit gesellschaftlichen Herausforderungen und feiern das Leben!“, erklärte Ernst Ludwig Iskenius, „beispielsweise mit Workshops zur gewaltfreien Konfliktaustragung, einem Open-Air Konzert des Musiker*nnen-Netzwerks Lebenslaute, Vorträgen über die Militarisierung der Gesellschaft. In der Stadt fehlt ein Spielplatz. Wir haben mit der Planung begonnen.“

Die Sicherheitskräfte versuchten, die Aktion zu unterbinden, scheiterten aber an der Entschlossenheit der Besetzer*innen.

Beteiligt waren Aktivist*innen des Jungen Netzwerks für politische Aktionen (JunepA), Mitglieder der Bürgerinitiative OFFENe HEIDe, Musiker*innen des Netzwerks Lebenslaute und andere gewaltfreie Aktionsgruppen.

In einer Erklärung der Initiative „Gewaltfreie Aktion GÜZ abschaffen” heißt es: „Die Kriegsgegner*innen verbindet der Wille, eine breite Bewegung gegen die Kriegsvorbereitungen in der Colbitz-Letzlinger Heide aufzubauen und immer mehr Menschen zum Eingreifen zu bewegen. Mit kreativen Aktionen und zivilem Ungehorsam drücken sie ihren Widerstand gegen Bundeswehreinsätze im Ausland aus. Ihr Ziel: Die Kriegsübungen müssen für immer eingestellt werden, der Truppenübungsplatz wieder an die Bevölkerung zurückgegeben werden.”

Die Aktion ist Teil der regelmässigen Friedenswege an jedem ersten Sonntag im Monat in die Colbitz-Letzlinger Heide.


Bild: Junges Netzwerk für politische Aktionen (JunepA)