1. Mai: Weitere Festnahmen in Istanbul

In Istanbul sind Dutzende Menschen bei Protesten zum Arbeiterkampftag 1. Mai festgenommen worden.

Nachdem am Vormittag bereits zahlreiche Mitglieder des Gewerkschaftsverbands DISK beim Versuch einer symbolischen Kundgebung zum 1. Mai auf dem zentralen Taksim-Platz in Istanbul festgenommen worden sind, ist auch eine zehnköpfige Gruppe der sozialistischen Partei ESP und weiterer Organisationen von der Polizei angegriffen worden.

Die Aktivistinnen und Aktivisten wollten von Mecidiyeköy zum Taksim laufen, um unter den Bedingungen der Corona-Pandemie ihre Forderungen zum Arbeiterkampftag deutlich zu machen. Sie riefen „Es lebe der 1. Mai“ auf Türkisch und Kurdisch und hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Es lebe der 1. Mai, es lebe der Sozialismus“. Als sie von der Polizei angegriffen wurden, mussten sie den vorher gewahrten Abstand voneinander aufgeben und hielten sich gegenseitig fest. Sie wurden von der Polizei geschlagen, auf den Boden geworfen, auf dem Rücken in Handschellen gelegt und über die Straße gezerrt. Journalisten wurden von der Polizei daran gehindert, das Geschehen zu fotografieren. Die Festgenommenen wurden in die Polizeistation Vatan gebracht.

Der Taksim-Platz hat seit dem 1. Mai 1977 eine besondere Bedeutung für die linke Bewegung in Istanbul. Damals sind nach offiziellen Angaben bei einer Massenkundgebung 37 Menschen von türkischen Sicherheitskräften getötet worden.

Auch in den Istanbuler Vierteln Osmanbey und Kadiköy ist es zu diversen Festnahmen bei Aktionen zum 1. Mai gekommen.