Rückzug aus Şêxmeqsûd und Eşrefiyê
Die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG und YPJ) haben sich aus den kurdischen Stadtteilen Şêxmeqsûd und Eşrefiyê im Norden Aleppos zurückgezogen und die Verantwortung offiziell an die Kräfte der Inneren Sicherheit (Asayîş) übergeben. Der Schritt erfolgt im Rahmen eines Abkommens zwischen der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES) und der syrischen Übergangsregierung.
Wie die YPG in einer Stellungnahme betonten, sei die Sicherheitsstruktur in den genannten Stadtvierteln seit Jahren von einem organisierten Selbstverteidigungssystem geprägt gewesen. Dieses sei als Reaktion auf die seit Beginn des Syrien-Konflikts bestehenden Bedrohungen entstanden und durch die Unterstützung von YPG und YPJ entscheidend mit aufgebaut worden. Die Stadtteile im kurdisch geprägten Norden Aleppos hatten sich seit 2014 weitgehend selbst verwaltet.
„Unsere Kräfte haben in dieser Zeit unter großen Opfern zur Stabilität und zum Schutz der Bevölkerung beigetragen. Die erzielten sicherheitspolitischen Erfolge zeugen von der Stärke kollektiver Organisation und Widerstandskraft“, heißt es in der Erklärung.
YPG/YPJ-Mitglieder nach dem Rückzug bei ihrer Ankunft in Tabqa © ANHA/ANF
Übergang zur zivilen Sicherheitsstruktur der Selbstverwaltung
Mit der nun erfolgten Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Asayîş-Kräfte setzt die Autonomieverwaltung ein Signal für eine schrittweise Entmilitarisierung innerstädtischer Räume. Die Asayîş ist die Behörde der DAANES für innere Sicherheit. Sie agiert als Einrichtung auf dem Gebiet des Bevölkerungsschutzes. Bereits ein Großteil der YPG-Einheiten hat die Stadt in Richtung des Gebiets östlich des Euphrat verlassen. Verbleibende Kräfte sollen in den kommenden Tagen geordnet abziehen.
Hintergrund: Politischer Annäherungsprozess mit Damaskus
Die Umstrukturierung ist Teil eines weiter gefassten Abkommens, das eine Integration der an die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) angebundenen Kampfverbände in die syrische Armee sowie eine Vereinheitlichung der zivilen Verwaltung vorsieht. Im Gegenzug sichert die Übergangsregierung grundlegende Bürgerrechte für die kurdische Bevölkerung sowie die Rückkehrmöglichkeiten für Binnenvertriebene zu.
Obwohl es weiterhin Spannungen zwischen Damaskus und der Autonomieverwaltung gibt – insbesondere im Hinblick auf Fragen der Selbstbestimmung und eine zukünftige Verfassung – wird das Abkommen Schritt für Schritt umgesetzt. Bereits am Donnerstag erfolgte im Rahmen dieser Vereinbarung ein Gefangenenaustausch zwischen beiden Seiten.

YPG: Bekenntnis zu Selbstverwaltung und strategischer Anpassung
Die YPG kündigten an, sich auch künftig an den Prinzipien der demokratischen Selbstverwaltung zu orientieren und politische Entwicklungen aktiv mitzugestalten: „Wir bleiben der organisierten Willenskraft des Volkes verpflichtet. Unsere Haltung wird sich an den strategischen Erfordernissen der neuen Phase orientieren“, heißt es abschließend in der Erklärung.