Corona: Heyva Sor ruft zu Solidarität mit Rojava auf

Die kurdische Rothalbmondorganisation Heyva Sor a Kurdistanê appelliert an die Solidarität der internationalen Gemeinschaft und bittet um Spenden für den Kampf gegen das Coronavirus in Nord- und Ostsyrien. Im Autonomiegebiet mangelt es an allem.

Nirgendwo könnte das Coronavirus derart verheerende Folgen haben wie im Mittleren Osten. Besonders der Iran ist von der Pandemie betroffen – dort gibt inzwischen mehr als 2000 Tote. Auch in Nord- und Ostsyrien herrscht große Sorge, dass das Coronavirus SARS-CoV-2 eingeschleppt werden könnte. Über zwei Millionen Menschen im Autonomiegebiet haben keinerlei Möglichkeiten, sich testen zu lassen, da sich das einzige Testgerät in einem Krankenhaus in Serêkaniyê (Ras al-Ain) befindet – dem am besten ausgestatten Krankenhaus in der gesamten Region, seit Oktober 2019 allerdings in der türkischen Besatzungszone.

Wie andere Länder auch haben die Selbstverwaltungsstrukturen in Nord- und Ostsyrien ebenfalls Schritte unternommen, um eine Einschleppung und Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit zu verhindern: Die Grenzübergänge sind für den Personenverkehr geschlossen, Behörden, Schulen, Universitäten, Geschäfte und Restaurants ebenso. Öffentliche Versammlungen wurden verboten, das Freitagsgebet in Moscheen wurde ausgesetzt. Die Reisefreiheit ist schon länger außer Kraft, außerdem gilt seit einigen Tagen eine Ausgangssperre. Isolationszentren für Notfälle wurden eingerichtet – bisher jedoch nur in wenigen Orten. In den Städten desinfizieren notdürftig ausgestattete Pandemieinterventionsteams die Straßen.

Doch trotz diesen Maßnahmen ist Nord- und Ostsyrien ernsthaft bedroht. Zwar hat sich am Gesundheitssystem in den letzten Jahren viel getan, die Strukturen sind jedoch von der Kriegs- und Besatzungssituation geprägt. Es mangelt an allem – grundlegender medizinischer Ausrüstung, Medikamenten, Atemschutzmasken, Desinfektions- und Reinigungsmitteln. Außerdem gibt es nur wenige Dutzend Beatmungsgeräte. Ein Ausbruch der Pandemie in der vom Krieg gegen den „Islamischen Staat“ (IS), türkischer Besatzung und fortwährenden Angriffen der türkischen Armee und ihren dschihadistischen Verbündeten erschütterten Region würde verheerende Folge haben. Das Autonomiegebiet beherbergt Hunderttausende Schutzsuchende, allein in Şehba leben rund 200.000 Vertriebene aus Efrîn. Hinzu kommen zehntausende IS-Dschihadisten und ihre Angehörigen in großen Internierungslagern unter der Verantwortung der Selbstverwaltung. Wenn die Pandemie dort ausbricht, droht ein Massensterben. Gerade vor dem Hintergrund, da eine Wasserknappheit herrscht. Vor knapp einer Woche hat die Türkei zum dritten Mal innerhalb eines Monats die Wasserversorgung des Kantons Hesekê unterbrochen. Dadurch sind nach UN-Angaben momentan rund 460.000 Menschen in Nordostsyrien ohne Zugang zu Wasser, die Autonomieverwaltung spricht sogar von einer Million. Für sie ist es schlicht unmöglich, die empfohlenen Maßnahmen zu befolgen und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Auch alle Krankenhäuser sind von der Wassernot betroffen. Doch insbesondere ist in den Camps von Nord- und Ostsyrien aufgrund der eingeschränkten Hygienebedingungen die Gefahr groß, dass sich das Virus unter den Bewohner*innen verbreitet, sobald sie ihm ausgesetzt sind.

Die Gesundheitskommission der Selbstverwaltung hat bereits alle internationalen Gremien und Organisationen, die sich mit Gesundheitsfragen befassen, einschließlich der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation und der Europäischen Union, um Unterstützung gebeten. Der kurdische Rothalbmondorganisation Heyva Sor a Kurdistanê bekräftigt die Notwendigkeit internationaler Unterstützung für das Autonomiegebiet Nord- und Ostsyriens bei seinen Bemühungen zur Bekämpfung dieser Pandemie und ruft zu Spenden auf. Darüber hinaus fordert die humanitäre Einrichtung alle Menschen auf, Rojava dabei zu helfen, die Bedürfnisse von Hunderttausenden gefährdeten Menschen zu erfüllen: „Lebensmittel, medizinische Geräte, Medikamente und Reinigungsmittel. Ihre Unterstützung wird dazu beitragen, diese globale Epidemie zu begrenzen und zu kontrollieren und den Verlust von Menschenleben zu verhindern.“

Spenden unter dem Verwendungszweck „Rojava-Coronavirus“ werden erbeten an Heyva Sor a Kurdistanê e.V.

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