Sänger wegen kurdischem Lied „Şervano“ angeklagt

Weil er bei einer Veranstaltung in Cizîr das kurdische Lied „Şervano“ gesungen hat, soll der Musiker Umut Botan nach der türkischen Anti-Terror-Gesetzgebung verurteilt werden. Die Anklage stuft den Song als „gefährlich“ ein.

Weil er bei einer Veranstaltung das kurdische Lied „Şervano“ gesungen hat, soll der Musiker Umut Botan nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen angeblicher „Terrorpropaganda“ verurteilt werden. Die Staatsanwaltschaft Şırnak wirft dem Künstler vor, mit dem Song eine „Gefahrensituation“ erzeugt und „Propaganda für eine terroristische Organisation“ betrieben zu haben. Umut Botan, der mit bürgerlichem Namen Reşit Çağlı heißt, hatte den Song im Februar 2024 in Cizîr (tr. Cizre) auf einem Treffen der DEM-Partei vorgetragen.

Anklage stuft Lied als „gefährlich“ ein

In der Anklageschrift, die inzwischen vom 2. Schwurgerichtshof Şırnak angenommen wurde, argumentiert die Staatsanwaltschaft, das Lied eigne sich „zur Schaffung eines Bedrohungsszenarios“. Weiter heißt es, Botan habe bei der Veranstaltung auch andere Lieder gesungen, die „die PKK/KCK verherrlichen und unterstützen“. Dies habe „direkt oder indirekt zur Begehung von Straftaten angestiftet oder zur Rekrutierung von Mitgliedern beigetragen“.


Die Anklage wirft dem Musiker vor, „in der Öffentlichkeit Botschaften verbreitet zu haben, die Straftaten rechtfertigen oder verherrlichen“, und beantragt eine Verurteilung gemäß den einschlägigen Bestimmungen des Antiterrorgesetzes. Die geforderte Strafe: zehn Monate Haft. Das Vortragen des Songs sei mit der Meinungsfreiheit nicht vereinbar.

„Keine Toleranz gegenüber kurdischer Musik“

Beim Prozessauftakt wies Umut Botan die Vorwürfe zurück. Er habe als Musiker an der Veranstaltung teilgenommen und lediglich ein Lied gesungen, das weder verboten noch neu sei. „Das Lied wird auf Hochzeiten gespielt, ist auf allen sozialen Medien abrufbar und wird oft öffentlich gesungen. Es ist ein allgemein bekanntes Stück. Deshalb fordere ich meinen Freispruch“, erklärte der Künstler.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Mezopotamya (MA) kritisierte Botan das Verfahren scharf und sprach von einem strukturellen Problem im Umgang mit kurdischer Kultur: „Die geforderte Strafe zeigt einmal mehr die fehlende Toleranz gegenüber kurdischer Musik. Seit Jahren erleben kurdische Musiker:innen eine gleichbleibend repressive Haltung. Dass man in diesem Land immer noch für ein Lied verurteilt werden kann, ist ein juristischer Skandal und Ausdruck der anhaltenden Intoleranz gegenüber kurdischer Kultur und Kunst.“

Abschließend betonte Botan die gesellschaftliche Bedeutung des Liedes: „‚Şervano‘ ist ein Lied, das von der Bevölkerung mit Hoffnung gehört und angenommen wird. Kein Kunstschaffender kann gegenüber einem solchen Lied gleichgültig bleiben. Dass es als ‚gefährlich‘ eingestuft wird, liegt an seiner starken Resonanz in der Gesellschaft.“

Lied des Widerstands von Rojava

„Şervano“ gilt als Lied des Widerstands von Rojava. Es wird auf Beerdigungen, auf Demonstrationen und an der Front gespielt. Der Text wurde vom kurdischen Filmemacher Şêro Hindê geschrieben, die Musik komponierte Mehmûd Berazî; Sänger, Filmkomponist und Produzent der Guerillaband Awazê Çîya. Produziert wurde das Stück von der Kunstschmiede Hunergeha Welat.