CPT: Türkische Angriffe auf KRI bedrohen Zivilbevölkerung

Die NGO Community Peacemaker Teams äußert ihre Besorgnis bezüglich der anhaltenden türkischen Militäroperationen in der Kurdistan-Region des Irak, die insbesondere in der anstehenden Erntezeit das Leben der Zivilbevölkerung bedrohen.

Community Peacemaker Teams

Nachdem der inhaftierte PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan Ende Februar in seinem Friedensaufruf die Niederlegung der Waffen vorschlug, erklärte die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) am 1. März einen einseitigen Waffenstillstand mit der Türkei. Seither sei das Niveau der Militäroperationen in Südkurdistan, auch bekannt als die Kurdistan-Region des Irak (KRI), in etwa gleich geblieben, wie auch die NGO Community Peacemaker Teams (CPT) in einer aktuellen Meldung bekannt gibt. Insbesondere wegen der anstehenden Erntezeit im Frühjahr warnt die Organisation vor der massiven Gefährdung der ländlichen Zivilbevölkerung durch die türkischen Bombardements und ruft beide Konfliktparteien zur Aufnahme von Friedensverhandlungen auf.

Militärische Eskalation als Antwort auf Friedensaufruf

Die christliche Friedensinitiative beobachtet in der KRI seit dem einseitigen Ausrufen der Waffenruhe nur einen leichten Rückgang der Militäroperationen und Bombardements seitens der Türkei im Vergleich zum Vormonat. Sie verzeichnet gleichzeitig bezeichnender Weise in der Woche nach dem Friedensaufruf Abdullah Öcalans sogar eine 145-prozentige Zunahme der Angriffe im Vergleich zur Vorwoche.

Fokus der Militäroperationen

Die Gouvernements Hewlêr (Erbil) und Duhok seien dem CPT zufolge im März wesentlich häufiger Ziel der türkischen Aggression gewesen als Silêmanî. Das Gouvernement Mûsil (Mosul) sei demnach im benannten Zeitraum gar nicht betroffen gewesen. Gerüchten um einen türkischen Truppenabzug nahe Dêrelûk (Deralok) am 26. März widerspricht die Organisation. Hierbei habe es sich lediglich um Truppenrotationen gehandelt.

Natur- und Kulturzerstörung

Die Menschenrechtler:innen von CPT beobachten insbesondere, dass das türkische Militär in diesem Jahr vermehrt Höhlen in der Nähe seiner Basen durch Sprengungen und Luftangriffe zu zerstören versuchte, unabhängig davon ob diese von der Guerilla kontrolliert, genutzt oder überhaupt nur angelegt wurden. Beispielhaft werden in dem Bericht die Zerstörung von fünf Höhlen mit Sprengstoff im Bezirk Amêdî am 25. März benannt, bei denen es sich um natürliche Formationen handelte. In derselben Gegend sei am 22. Februar gezielt eine Höhle zerstört worden, die als historisch bedeutsame Stätte gilt.

Zivile Opfer

Laut Community Peacemaker Teams sind im aktuellen Kriegsgeschehen seit Jahreswechsel mindestens vier Zivilpersonen verletzt und zwei getötet worden. Die anhaltenden Bombardierungen und Militäroperationen bedrohen weiterhin das Leben der Zivilbevölkerung in den betroffenen Gebieten, besonders während der Erntezeit im Frühjahr, betont die Organisation, da viele Bäuer:innen von der Landwirtschaft als Haupteinkommensquelle abhängen.

Auch die Guerillakräfte haben seit Ausrufung des Waffenstillstands mehrfach auf die türkischen Angriffe reagiert. Daher fordert CPT die Türkei auf, die Militäroperationen einzustellen, und appelliert an beide Parteien, Friedensverhandlungen aufzunehmen, um die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten.

Foto: Symbolbild © CPT-IK