Samstagsmütter fordern Gerechtigkeit für Ferhat Tepe

Die Samstagsmütter haben die Bestrafung der Mörder von Ferhat Tepe gefordert. Vor 26 Jahren wurde der damals 18-jährige Özgür-Gündem-Korrespondent in Bedlîs entführt. Tepes Leichnam wurde zwei Wochen später aufgefunden. Er wurde zu Tode gefoltert.

Zum 750. Mal hat heute die Kundgebung der Samstagsmütter stattgefunden. Seit mehr als 24 Jahren kämpft die Initiative gegen das „Verschwindenlassen“ nach der Festnahme und fordert die Verurteilung der Täter. Ihren angestammten Kundgebungsort, den Galatasaray-Platz in der Fußgängerzone, durften die Samstagsmütter nicht betreten. Stattdessen fand die Mahnwache unter Polizeiblockade vor dem Menschenrechtsverein IHD statt. Unterstützt wurden die Frauen wieder von zahlreichen Politiker*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft, darunter auch die HDP-Abgeordnete Hüda Kaya und die Schauspielerin Nur Sürer.

Das Thema der heutigen Kundgebung war die Ermordung von Ferhat Tepe. Am 28. Juli 1993 wurde der damals 18-jährige Mitarbeiter der prokurdischen Tageszeitung Özgür Gündem (Freie Tagesordnung) in der nordkurdischen Provinz Bedlîs (Bitlis) von drei Zivilpolizisten entführt. Sein Vater İshak Tepe, der zum damaligen Zeitpunkt Vorsitzender des Provinzverbands der DEP (Demokratiepartei, 1994 verboten) war, erhielt am gleichen Tag einen Anruf von einem Mann, der sich als Angehöriger der „Türkischen Rache- Brigade“ vorstellte. Er forderte die Schließung aller Parteibüros der DEP und eine Milliarde Türkische Lira Lösegeld für den entführten Ferhat Tepe. Der Anrufer wurde von İshak Tepe als Korkmaz Tagma, Brigade-Kommandeur beim türkischen Militär, identifiziert. Dreizehn Tage später wurde die Leiche des schwer gefolterten Ferhat Tepe im ca. 350 Kilometer entfernten Xarpêt (Elazığ) aufgefunden.

Ferhat Tepe arbeitete als Korrespondent für Özgür Gündem. Er hatte sich für einen Journalistik-Studienplatz an der Universität in Istanbul beworben. Die Nachricht seines Todes kam am selben Tag wie die Zulassung zum Studium, wie seine Mutter Zübeyde Tepe später in einem Interview erzählte.

Vier Monate nach dem gewaltsamen Tod von Ferhat Tepe wurde sein Anwalt Şevket Epözdemir, Vorsitzender der DEP sowie des Menschenrechtsvereins IHD im Bezirk Tetwan, entführt. Zuvor war er von staatlichen Kräften immer wieder dazu genötigt worden, sein Mandat niederzulegen. Am 26. November 1993 fand man in Bedlîs seine Leiche. Der Jurist war mit einem Kopfschuss hingerichtet worden.

Beide Morde bis heute ungesühnt

Repressionen gegen kurdische Medien haben in der Türkei eine lange Tradition. Insbesondere die Zeitung Özgür Gündem und ihre Nachfolgerinnen waren und sind davon betroffen. Allein acht ihrer Korrespondenten und 19 Verteiler wurden zwischen dem 30. Mai 1992 und April 1994 ermordet. Der Grund für die Härte, mit der der türkische Staat gegen die Tageszeitung vorging, hat damit zu tun, dass Özgür Gündem als einziges Blatt schwerpunktmäßig über den Krieg in Kurdistan berichtete. In den türkischen Medien wurde der Konflikt zwischen PKK und der Armee schon damals entpolitisiert und als „Terror von Kriminellen gegen die Brüderlichkeit der türkischen Völker“ dargestellt.

Im Fall von Ferhat Tepe wurde die Türkei im Jahr 2003 vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verurteilt. Vor der türkischen Justiz bleiben die Morde an ihm und seinem Anwalt bis heute ungesühnt.