Der Iran wird nicht mehr derselbe sein

Die Entwicklungen im Iran müssen durch seine innere Dynamik erklärt werden und nicht aus westlicher Perspektive. Das Wesen der Bewegung wird von gesellschaftlichen Segmenten gebildet, die islamische Werte tragen. Der Iran wird nicht mehr derselbe sein.

Die Ereignisse, die sich im Iran abspielen, und die entstandene politische und soziale Situation betreffen die ganze Welt, aber insbesondere den Nahen Osten und vor allem die Kurdinnen und Kurden in der Region. Unter diesem Gesichtspunkt sollten die Entwicklungen im Iran bewertet werden. Es zeigt sich jedoch, dass sie nicht richtig interpretiert werden. So wie die Entwicklungen in Europa oder anderswo in der Welt gelesen und bewertet werden, so werden auch die Ereignisse im Iran interpretiert. Die Ereignisse und Phänomene im Nahen Osten mit einer westlichen Denkweise oder wie in einem anderen Teil der Welt zu bewerten, hat jedoch stets zu falschen Schlussfolgerungen geführt. Wer eine solche Einschätzung vorgenommen hat, wurde am Ende immer enttäuscht.

Wenn es eine Macht der Bewertung gibt, eine Denkfabrik, dann hat Amerika sie. Die USA sind gewiss nicht dogmatisch, wenn es darum geht, politische Bewertungen vorzunehmen und eine entsprechende Politik zu betreiben. Es gibt keinen anderen Staat, der so pragmatisch ist wie die USA und seine Politik entsprechend den Entwicklungen ändert. Trotzdem sind die USA im Nahen Osten nicht erfolgreich gewesen. Der Grund dafür ist, dass die Realität im Nahen Osten verkannt wird. Der Westen will den Nahen Osten nicht verstehen. Er will den Nahen Osten nach seinen Vorstellungen gestalten. Trotz aller Fehler und seiner verfehlten Politik gibt er nicht auf. Er kann selbst nach vielen negativen Erfahrungen nicht erkennen, dass sich die Realität des Nahen Ostens von der Realität des Westens unterscheidet.

Das Missverständnis des Westens im Nahen Osten

Der Westen muss jedoch sehen, dass der Nahe Osten die ältesten Zivilisationen beherbergt und die Wiege der Menschheit ist, und dass in dieser Hinsicht nicht jeder diesen Ort so gestalten kann, wie er möchte. Wir sehen, dass der Westen die jüngsten Entwicklungen im Iran nicht richtig einschätzen kann. Ebenso stellen wir fest, dass auch verschiedene linke und sozialistische Gruppen diese Entwicklungen in einer fehlgeleiteten Weise betrachten. Dazu gehören auch nationalistische kurdische Organisationen und Politiker.

Es sollte bekannt sein, dass Europa und die USA die intellektuelle Herrschaft über alle Gesellschaften erlangen wollen, indem sie die Geschichte der Welt auf ihre Weise schreiben und eine westlich orientierte Bewertung der politischen Geschichte auf Grundlage ihrer eigenen Interessen vornehmen. Um Souveränität über Völker und Gesellschaften zu erlangen, ist es notwendig, eine Geschichte durchzusetzen, die die Interessen der Herrschenden und nicht die Interessen der Menschen berücksichtigt; eine Geschichte, die Ereignisse und Fakten aus eigener Sicht bewertet. Die Herrschaft über Gesellschaften und Völker wird zunächst in Ideologie und Mentalität begründet. Die Geschichte wird in erster Linie auf der Achse der Sichtweise der herrschenden Klassen auf Ereignisse und Phänomene geschrieben und von der gesamten Menschheit akzeptiert. In einer solchen Geschichtsschreibung wird die Geschichte der Gesellschaften, die Geschichte der Menschheit nicht mit all ihren Realitäten offenbart oder die Realität wird verborgen, so dass die Völker mit dieser Mentalität leicht beherrscht werden können. Diese Realität muss man sich sehr genau ansehen. Der Westen und die USA haben in erster Linie eine Hegemonie der Mentalität geschaffen. Auf dieser Grundlage nehmen sie auch andere Herrschaftsbereiche wahr. Ohne dieses Verständnis ist es für die Völker nicht einfach, die Hegemonie zu brechen und ein freies und demokratisches Leben im Einklang mit ihren eigenen Interessen zu gestalten.

Die USA und Europa haben die Gesellschaften mit einer historischen Bewertung gefüttert, die auf der herrschenden etatistischen Mentalität beruht. Diese historische These ist auch heute noch nicht überwunden. Nicht nur bei der Bewertung der Geschichte, sondern auch beim Thema Demokratie und Freiheiten machen sie sich ihre eigene Definition. Für sie beginnen Demokratie und demokratischen Werte bei sich selbst.

Ideologische und politische Herrschaft

Auf diese Weise bieten sie den Gesellschaften nicht Demokratie und Freiheit, sondern zwingen ihnen ihre eigene ideologische und politische Herrschaft auf. Wir verstehen, dass die USA und Europa solche Einschätzungen vornehmen, aber es ist unverständlich, dass sich Linke und unterdrückte Völker immer noch nicht vom Einfluss dieser Einschätzungen befreien können. Insbesondere ist es für die Kurdinnen und Kurden nicht hinnehmbar, sich davon beeinflussen zu lassen und Bewertungen im Sinne des Westens vorzunehmen.

Kurdistan ist nicht irgendeine Geografie. Es ist eine Geografie, in der die Menschen zum ersten Mal sozialisiert wurden und aus der die Wurzelzelle der Demokratie hervorgeht. Es ist unverständlich, dass die Menschen und Politiker dieser Gegend das Verständnis von Demokratie und Freiheit mit dem orientalistischen Verständnis des Westens gleichsetzen, ihre eigenen historischen Realitäten nicht sehen oder ihre eigenen historischen Werte unterschätzen. Vielleicht hätte es gestern eine Entschuldigung dafür gegeben, die Ereignisse und Phänomene in diesem Rahmen zu betrachten, aber nachdem Rêber Apo [Abdullah Öcalan] die Geschichte der Völker, die ein gemeinschaftliches demokratisches Leben führen, neben der Geschichtsschreibung der Herrschenden und der statistischen Systeme umfassend aufgedeckt hat, indem er die historische Gesellschaft in umfassender Weise analysierte, muss die orientalistische Perspektive aufgegeben werden. Rêber Apo hat die demokratische Mentalität der Völker, die Geschichte der direkten Demokratie und die historischen Grundlagen des demokratischen Gemeinschaftslebens mit all ihren Daten offengelegt. Wenn sich Menschen dennoch der Demokratie und Freiheit mit den Normen des Westens nähern, zeigt dies, wie tief verwurzelt die Herrschaft des Denkens über die Völker ist.

Die europäische Demokratie ist unvollständig

Wenn man über Demokratie spricht, kann man sich oft nicht von dem westlichen Verständnis des Begriffes lösen. Wenn irgendwo Demokratisierung stattfinden soll, dann so, als ob sie sich wie in Europa und den USA entwickeln würde, oder als ob es notwendig und verpflichtend wäre, sich so zu entwickeln. Die Demokratie in Europa ist jedoch eine unvollständige Demokratie, eine begrenzte Demokratie. Demokratie bedeutet, dass das Volk sich selbst organisiert und in jeder Hinsicht eine Macht wird. Es bedeutet, dass die Menschen einen eigenen Willen haben und ihr Leben selbst organisieren und gestalten können. Unter diesem Gesichtspunkt kann man nicht von einem einzigen Europa sprechen. Es gibt das Europa der Herrschenden und ihr Verständnis von Freiheit und Demokratie, und es gibt das Europa der Völker. Das Verständnis von Freiheit und Demokratie im Europa der Völker ist nicht dasselbe wie das Demokratieverständnis der europäischen Herrscher. Mit ihren Kämpfen und Einstellungen haben die Völker versucht, den Staat zurückzudrängen und ihren demokratischen und freiheitlichen Lebensraum zu vergrößern, indem sie das Feld der Demokratisierung ständig weiterentwickelten. Obwohl die ideologische Dominanz der modernistischen Mentalität und die Kultur und Lebensweise des kapitalistischen Systems im Westen die Völker zu einer falschen Denkweise, Einstellung und Praxis in Bezug auf Demokratie und echte Freiheiten geführt haben, ist die Sehnsucht der Menschen nach Demokratie in Europa groß. Es hat sich ein sozialer Geist mit eigener Mentalität und Kultur herausgebildet. Obwohl die Mentalität der Moderne und die kapitalistische Kultur falsche Vorstellungen und Hindernisse für das Verständnis und die Ausübung der wahren Demokratie geschaffen haben, haben die demokratische Mentalität und der Geist der Freiheit seit der Renaissance einen festen Platz in der Kultur der Gesellschaften. Diese demokratische Kultur und Werte sind nicht, wie westliche Politiker und Historiker schreiben, eine Kultur, die mit der Magna Carta begann und sich in der Gesellschaft festsetzte. Diese Kultur ist das Ergebnis der Tatsache, dass die Menschheit die demokratischen Werte, die das andere Gesicht der Vergesellschaftung sind, vom ersten Auftauchen bis zum heutigen Tag getragen, auf der Grundlage dieser Werte gekämpft und diese Werte durch den Schutz ihrer sozialen Existenz bewahrt hat.

Renaissance als Kind des Ostens im Exil

Die gemeinsamen demokratischen Werte, die sozialistischen Werte, die Emotionen und die Wurzelzelle der Demokratie im Nahen Osten wurden verwirklicht, indem sie in den Westen getragen wurden. Rêber Apos Einschätzung der Renaissance als Kind des Ostens im Exil ist der beste Ausdruck dafür, wie die Geschichte betrachtet werden sollte. Wie man sieht, muss die Geschichte aus der Perspektive der Völker betrachtet werden. Es ist notwendig, die historische Gesellschaft gut zu analysieren und sich mit allen Entwicklungen innerhalb der Zeit und des Raums der Historizität zu befassen. Wenn Ereignisse und Phänomene auf diese Weise behandelt und nicht von der westlichen Achse aus betrachtet werden, lassen sich die Entwicklungen im Iran besser einschätzen.

Der westliche Blick auf Iran muss aufgegeben werden

Zuallererst muss die westliche Sichtweise auf den Iran aufgegeben werden. Wenn vom Iran die Rede ist, denkt man sofort an reaktionäre Unterdrückung und Grausamkeit. Zweifelsohne herrscht im Iran ein repressives Regime. Das ist eine Dimension. Es gibt auch die Dimension der iranischen Völker. Es gibt die iranische Gesellschaft, die iranische soziale Realität. Es ist nicht möglich, von einem einzigen Iran zu sprechen. Das gilt auch für Europa. Es gibt verschiedene Europas, verschiedene USA, verschiedene Frankreichs, verschiedene Deutschlands, genauso wie es verschiedene Gesichter des Iran gibt. Die Ereignisse im Iran müssen auf der Grundlage der Geschichte des Nahen Ostens und der iranischen Geschichte analysiert und bewertet werden. Wenn wir über Demokratisierung und Freiheiten sprechen, müssen wir begreifen, dass sich der Demokratisierungs- und Emanzipationsprozess innerhalb der historischen Realität des Nahen Ostens entwickeln wird, nicht aus einer westlichen Perspektive. Es trifft nicht zu, dass etwas nur dann als demokratisch bewertet werden kann, wenn es nach Europa oder den USA geht und mit den historischen Prozessen in diesen Ländern übereinstimmt. Die Demokratie im Nahen Osten wird sich auf ihre eigene Weise entwickeln. Auch die Freiheiten im Nahen Osten werden sich auf eigene Weise entwickeln. Wie Rêber Apo sagte, haben wir uns selbst unterschätzt und unsere eigenen Werte nicht erkannt, weil der Westen uns geblendet hat. Das ist eine wichtige Feststellung und sie gilt nicht nur für Kurdinnen und Kurden, sondern auch für Iraner und Araber. Rêber Apo hat diese Feststellung für alle Gesellschaften des Nahen Ostens getroffen. Daher muss die Demokratisierung im Iran im historischen Kontext des Nahen Ostens und des Iran betrachtet werden.

Einfluss der kurdischen Befreiungsbewegung

Die Entwicklungen im Iran sind nicht auf den Einfluss der USA und des Vereinigten Königreichs zurückzuführen, wie einige behauptet haben. Sie sind auch nicht, wie die derzeitige iranische Regierung erklärt hat, auf eine Intervention der USA und des Vereinigten Königreichs zurückzuführen. Obwohl es mehrdimensionale Bemühungen der USA und Europas in dieser Richtung gibt, ist es völlig falsch, die Entwicklungen im Iran dem Einfluss dieser Staaten zuzuschreiben. Es ist eine Beleidigung für die Bestrebungen der Völker des Nahen Ostens nach Demokratie und Freiheit. Natürlich wirken sich die Freiheits- und Demokratietendenzen der Völker der Welt auch auf den Iran aus. Wenn wir sagen, dass die weltweiten Kämpfe für Freiheit und Demokratie auch den Iran betreffen, meinen wir nicht die Politik der USA oder Europas oder die Demokratie der USA und Europas. Natürlich hat Europa bestimmte positive Werte, die aus den historischen Kämpfen der Völker hervorgegangen sind. Aber zu behaupten, die USA und Europa hätten die Entwicklungen im Iran direkt beeinflusst, ist eine Verzerrung.

Stattdessen wäre es richtiger gewesen zu sagen, dass der Kampf des kurdischen Volkes für Demokratie und Freiheit den größten Einfluss auf die Entwicklungen hatte. Die Einschätzung, dass die kurdische Freiheitsbewegung die Flammen der Demokratie und Freiheit im Nahen Osten angefacht und damit auch die iranische Gesellschaft beeinflusst hat, ist zutreffender und realistischer. Natürlich sind die Völker Irans, insbesondere das kurdische Volk, sehr stark vom kurdischen Freiheitskampf und dem Verständnis der PKK von Demokratie und Freiheit beeinflusst. Damit meine ich nicht, dass alle Entwicklungen im Iran unter dem Einfluss der kurdischen Freiheitsbewegung zustande gekommen sind. Im historischen Kontext des Nahen Ostens ist der Iran auch ein Land, in dem sich ein Potential für Freiheit und Demokratie angesammelt hat. Wenn der Nahe Osten die Ausgangsbasis demokratischer Gemeinschaftswerte ist, dann sind die Orte, an denen das demokratische Gemeinschaftsleben am effektivsten ist, Kurdistan und Iran. Es ist bekannt, dass Kurden und Perser denselben ethnischen Ursprung und dieselbe Sprachgruppe haben. Daher sind auch die Völker im Iran von der mesopotamischen Kultur beeinflusst worden.

Innere Dynamik im Iran

Die Entwicklungen im Iran müssen durch die innere Dynamik des Landes erklärt werden. Vor allem entspricht das derzeitige iranische Regime nicht den Erwartungen der Bevölkerung. Die Menschen haben die Nase voll von diesem Unterdrückungsregime. Sie sind unzufrieden mit dem Regime in seiner jetzigen Form, aber es ist falsch zu sagen, dass dieses Volk ein Leben wie im Westen will, ein politisches, soziales und kulturelles Leben wie dort. Die iranische Gesellschaft will Freiheiten und Demokratie, aber das bedeutet nicht, dass man europäische Werte, eine europäische Kultur oder ein politisches Regime ähnlich dem in Europa will. Die Basis der Bewegung im Iran bilden nämlich Gruppen, die islamische Werte vertreten und sich auf diese Werte stützen.

Die Opposition wendet sich gegen die undemokratischen und repressiven Aspekte des derzeitigen Regimes. Sie will, dass die Demokratie und die Freiheitsrechte erweitert werden. Sie wollen nicht, dass das islamische Regime verschwindet, dass sich die islamischen Werte zurückentwickeln oder dass sie ein Land wie der Westen werden. Die Forderungen nach einem Säkularismus, wie ihn der Westen versteht, gehören einem sehr begrenzten Kreis an. Aus den auf den Plätzen gerufenen Parolen geht hervor, dass die Opposition auch religiöse Motive nutzen will, um die derzeitige Regierung zurückzudrängen. Es ist daher notwendig, die folgende Tatsache anzuerkennen: Es ist nicht notwendig, anti-islamisch zu sein, um für Demokratisierung und Reformen zu kämpfen. Es hat sich gezeigt, dass es falsch ist, zu sagen, dass Demokratie und Freiheit sich nur entwickeln können, wenn der islamische Aspekt des Regimes bekämpft wird. Natürlich muss der dogmatische Aspekt der Religion überwunden werden. Die dogmatische Verwendung von Religion in der Politik muss überwunden werden. Dies erfordert bestimmte Reformen, einen Wandel im Verständnis und in der Mentalität. Das bedeutet nicht, dass wir ein säkulares Land sein müssen, wie es im Westen verstanden wird. Rêber Apo unterscheidet den europäischen Laizismus nicht vom religiösen Staat, im Gegenteil, er zeigt, dass er eine andere Form der Mentalität des despotischen religiösen Staates ist. Eine der sehr historischen, bemerkenswerten und bahnbrechenden Einschätzungen des kurdischen Repräsentanten ist seine Bewertung des Säkularismus. In dieser Hinsicht bedeutet ein Ansatz wie der westeuropäische, demnach es Demokratie und Freiheiten nur mit Säkularismus geben kann, dass man die Ereignisse und Phänomene mit den Augen des Westens betrachtet. Es wäre eine Auseinandersetzung mit den Ereignissen unter dem Einfluss des ideologischen Angriffs des Westens, der der gesamten Menschheit seine eigenen Maßnahmen aufzwingen will.

Der iranische Regierungsblock zerbricht

In der iranischen Gesellschaft haben sich aufgrund historischer Entwicklungen der Wunsch nach Demokratisierung und eine Tendenz zur Erweiterung der Freiheiten herausgebildet. Die Ereignisse haben deutlich gezeigt, dass die iranische Gesellschaft der Unterdrückung überdrüssig ist und Demokratie und Freiheiten will. Gleichzeitig ist eine Kluft zwischen den Segmenten im Iran entstanden, die bis heute Partner in der Regierung waren. Der Machtblock, der den Iran nach der Islamischen Revolution beherrschte, ist zerbrochen. Dieser Riss ist tief. Dafür gibt es natürlich auch wirtschaftliche und soziale Gründe. Da der Iran ein ausbeuterischer und unterdrückerischer Staat ist, gibt es Gruppen, die sich durch die Inbesitznahme staatlicher Einrichtungen wirtschaftlich privilegieren wollen. Die Sipahi Pasdaran und die ihnen zugrunde liegende Kreise haben sich zu einer bedeutenden wirtschaftlichen und politischen Macht entwickelt. Der derzeitige Block von Khamenei und Militär haben eine wirtschaftliche Dominanz aufgebaut. Diese oligarchische Gruppe profitiert am meisten von dem wirtschaftlichen Monopolcharakter des Staates.

Darüber hinaus gibt es einige in den USA und Europa lebende Kreise, die sich als Sprecher der „Jin Jiyan Azadî"-Bewegung gebärden und sich dem Volk aufdrängen, da sie sehen, dass die Tendenz der Menschen zu Freiheit und Demokratie stark ist. Damit versuchen sie, sich im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Leben durchzusetzen. Was sie wollen, ist keine echte Demokratie und keine echte Freiheit. Sie wollen sich einen Vorteil verschaffen, indem sie die starke demokratische und freiheitliche Tendenz des Volkes ausnutzen. In dieser Hinsicht können wir ohne weiteres sagen, dass sie eine Strategie, Politik und Taktik verfolgen.

Die demokratisch-revolutionäre Kraft im Iran

Der Iran hat eine starke soziale Kultur und eine darauf basierende Volkstradition. Die Werte der Gerechtigkeit und Gleichheit sind tief in den kulturellen Werten der Gesellschaft verankert. Der Iran hat eine demokratische Revolution erlebt. Diese Revolution hat den Charakter und die Gefühle der iranischen Gesellschaft erheblich verändert. Es gibt keine Gesellschaft, die sich sklavisch der Macht und dem Staat unterwirft. Sie zeichnet sich durch einen hohen Organisationsgrad und demokratische Mobilität aus. Auch das System selbst sieht sich für den eigenen Machterhalt genötigt, die Gesellschaft organisieren. Der Charakter der Organisierung und das Mobilisierungspotential sind nicht schwach. Was das iranische Regime heute erschüttert, ist die Realität des Volkes, die durch die demokratische Revolution gegen den Schah im Iran geschaffen wurde. Der Anteil der Auswirkungen der iranischen Volksrevolution auf die Gesellschaft muss auch in der Erschütterung des Regimes gesehen werden. Als Rêber Apo über den Zusammenbruch des Realsozialismus in der Sowjetunion sprach, äußerte er die Einschätzung, dass dieser „mit dem Wind der Oktoberrevolution zusammengebrochen“ ist. Eine ähnliche Einschätzung gilt auch für den Iran.

Niemand kann die Revolution von 1979 herunterspielen. An der iranischen Revolution waren sowohl Islamisten als auch radikale Demokraten verschiedener sozialistischer Richtungen beteiligt. Der Schah wurde durch eine sehr breite Front des demokratischen Kampfes gestürzt. Diese Tatsache sollte von niemandem vergessen werden. Die Revolution im Iran, der Sturz des Schahs, geschah nicht mit Waffen. Er wurde mit der Macht des Volkes gestürzt, was in einer Revolution selten vorgekommen ist. Es handelt sich um eine der seltenen Revolutionen in der Welt, die von der größten Masse, die sich ohne den Einsatz von Waffen erhoben hat, durchgeführt wurde. Sie ist eine der Revolutionen mit der größten Massenunterstützung in der Geschichte.

Die Islamische Revolution im Iran löste sich jedoch allmählich von den Forderungen der Gesellschaft und wurde konservativ. Sie wurde zu einem Unterdrückungsregime und zu einem Hindernis für die Freiheit und Demokratie der Völker. Angesichts dieser Realität ist es falsch, den Umbruch, den diese große Revolution im Iran in der Mentalität und den Gefühlen der Gesellschaft verursacht hat, zu übersehen. Anstatt Ereignisse und Phänomene wissenschaftlich zu betrachten, werden sie emotional und reaktiv betrachtet. Politik und Wissenschaft lassen sich nicht mit solchen reaktiven und emotionalen Ansätzen betreiben. Es ist notwendig, Ereignisse und Phänomene in ihrem räumlichen und historischen Kontext zu bewerten. Mit der richtigen wissenschaftlichen Herangehensweise, mit einer richtigen soziologischen Herangehensweise wird die Realität des Iran anders gelesen, und wenn man sie von Europa und dem Westen aus betrachtet, wird sie sehr, sehr anders gelesen.

Das iranische Regime kann diesen Wind nicht unterdrücken

Im Iran ist der Geist aus der Flasche entwichen. Der Iran wird nicht mehr derselbe sein. Die Bemühungen um eine Aufweichung, Reform und Revolutionierung des Systems durch diesen Kampf, der von einer aus dem ehemaligen regierenden Block hervorgegangenen Oppositionsgruppe geführt wird, die die Tendenz zu Freiheit und Demokratie in der Gesellschaft richtig einschätzt und bewertet, werden mit Sicherheit Ergebnisse bringen. Das derzeitige Regime im Iran kann diesen Wind auf keinen Fall mehr unterdrücken. Je mehr das versucht wird, desto mehr radikale Winde werden ihm entgegenschlagen. Wenn es einen Kompromiss und radikale demokratische Veränderungen herbeiführen kann, kann sich die derzeitige Situation ändern. Wenn es sich nicht erweichen lässt und seine harte Politik fortsetzt, werden die Oppositionskräfte die derzeitige Regierung mit der Unterstützung des Volkes ausschalten. Vielleicht entsteht im Iran eine Form des Prozesses, den wir Demokratisierung des Islam nennen. Es könnte sich allmählich eine für den Iran spezifische Demokratisierung entwickeln. Es ist nicht richtig zu sagen, dass es weder eine Reform noch eine Demokratisierung geben wird, solange es die Islamische Republik gibt und der islamische Name nicht verschwindet,. Wir bekräftigen noch einmal, dass der Kampf des Volkes und eine Demokratisierung die Instrumentalisierung von Religion in der Politik und die dogmatische Anwendung religiöser Regeln im politischen, sozialen und kulturellen Leben für den Machterhalt überwinden werden. Die Menschen werden sich demokratisieren und das System reformieren, ohne zu sagen, dass sie gegen das islamische Regime sind. Auf diese Weise wird sich der Prozess höchstwahrscheinlich entwickeln.

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Fuad Bêrîtan ist Ko-Vorsitzender der Bewegung für Freiheit und Demokratie in Rojhilat (KODAR), einer Dachorganisation für das von Abdullah Öcalan vorgelegte System des demokratischen Konföderalismus.