Die Menschenrechtsorganisation „Rêxistina Mafên Mirovan li Efrînê-Sûriye“ (RMME) berichtet, dass im März in Efrîn (Afrin) mindestens elf Menschen entführt und sechs weitere gefoltert wurden. Efrîn ist seit 2018 unter türkischer Besatzung. RMME hat eine Bilanz der im Monat März begangenen Verbrechen veröffentlicht. Die Folter wurde demnach teils mit der Teilnahme an Newroz-Feierlichkeiten „begründet“. Auch sei ein Mensch im vergangenen Monat durch explosive Überreste des Kriegsgeschehens getötet worden.
Verstöße gegen internationales Recht
Die Zerstörungen durch das türkische Militär und seine dschihadistischen Söldner umfassen auch massive Verwüstungen und irreversiblen Beschädigungen der reichen Natur und des Ökosystems von Efrîn. Etliche Felder wurden niedergebrannt und Zehntausende von Bäumen, darunter zahlreiche Olivenbäume, wurden infolge der Besetzung durch die Türkei und ihre dschihadistischen Milizen abgeholzt. Im März fielen dieser Zerstörungswut nach RMME Angaben erneut mehr als 300 Olivenbäume zum Opfer. In den Bergwäldern des ezidisch geprägten Dorfs Qitmê (Katma), Hec Hesenlî und Qaziqlî wurden laut Bericht insgesamt 3.100 Bäume gefällt.
Verbrechen an der Zivilbevölkerung
Laut der Organisation setzte die Besatzungsmacht auch ihre Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung von Efrîn ungemindert fort. So habe es zahlreiche Erpressungen von Vertriebenen gegeben und Söldner hätten die Habseligkeiten von Bürger:innen geplündert. Außerdem berichtete RMME, dass 20 zuvor entführte Personen aus dem Gefängnis von Raiyê geflohen seien.
Hintergrund
Am 20. Januar 2018 begann der türkische Staat einen Krieg gegen die Region Efrîn (Afrin), den westlichen Kanton der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES).
Tag und Nacht wurden Städte und Dörfer, Flüchtlingslager und historische Stätten von türkischen Kampfflugzeugen und Artillerie bombardiert. Die Angriffe der Türkei und der mit ihr verbündeten dschihadistischen Milizen dauerten bis zum 18. März an.
Seither steht der Kanton Efrîn im Norden Syriens unter türkischer Besatzung. Seit dem Einmarsch wurden systematisch Kriegsverbrechen begangen. Ein großer Teil der aus Efrîn vertriebenen Bevölkerung lebt unter prekären Bedingungen in den benachbarten Regionen und wurde nun durch die Angriffe der türkischen Proxymiliz „Syrische Nationalarmee“ (SNA) auf diese zum zweiten Mal vertrieben.