Vertreter:innen der beiden mehrheitlich kurdisch bewohnten Stadtteile in Aleppo und die syrische Übergangsregierung hatten am Dienstag ein Abkommen unterzeichnet, das auf eine Deeskalation und ein friedliches Zusammenleben abzielt. Der Vertrag umfasst insgesamt 14 Punkte, darunter Maßnahmen zur Förderung des gemeinsamen Miteinanders, zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit, zur Eindämmung bewaffneter Auseinandersetzungen sowie zur Einrichtung gemeinsamer Komitees für die Umsetzung und Koordination der Vereinbarungen.
Am Donnerstag wurde mit der praktischen Umsetzung der Vereinbarung begonnen: Im Rahmen eines koordinierten Austauschs wurden 97 Häftlinge, die von den Stadtteilräten festgehalten wurden, gegen 146 Gefangene der syrischen Regierung ausgetauscht. Der Austausch fand am Şîhan-Knotenpunkt im Stadtteil Eşrefiyê in Aleppo statt.

Bei der Übergabe, die auch von zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohnern Aleppos begleitet wurde, riefen Redner:innen zur Einheit des syrischen Volkes auf und forderten ein Ende externer Einmischungen in die inneren Angelegenheiten des Landes. Bei den Gefangenen auf kurdischer Seite handelte es sich mehrheitlich um Aktivist:innen von Jugendorganisationen und Angehörige der Sicherheitskräfte der selbstverwalteten Stadtteile Şêxmeqsûd und Eşrefiyê.
Mütter tanzen nach der Freilassung ihrer Kinder © ANHA
Weitere Freilassungen angekündigt
Laut Quellen aus den Räten von Şêxmeqsûd und Eşrefiyê soll es sich bei den gestrigen Freilassungen um die erste Phase handeln. Ein zweiter Gefangenentransfer sei bereits in Planung und werde in den kommenden Tagen erfolgen.
Die Umsetzung der Vereinbarung wird als bedeutender Schritt zur Stabilisierung der Lage in Aleppo und zur Wiederherstellung zivilgesellschaftlicher Strukturen gewertet. Beobachter:innen sehen darin auch ein mögliches Modell für andere Regionen Syriens, in denen lokale Kräfte und die Regierung nach jahrelangen Konflikten aufeinander zugehen.