Solidaritätskonzert für Rojava in Kassel

In Kassel findet übernächsten Freitag ein Solidaritätskonzert für Rojava statt. Die Einnahmen werden an den Kurdischen Roten Halbmond gespendet.

Die Menschen in Rojava/Nordostsyrien haben in den letzten Jahren den einzigartigen Versuch unternommen, inmitten eines brutalen Krieges ein alternatives Gesellschaftsmodell ohne Patriarchat, Kapitalismus und Nationalstaat zu etablieren. Das friedliche Zusammenleben verschiedener Ethnien und religiöser Minderheiten ist hier Realität: Bis heute erproben die Menschen das Experiment einer partizipativen Demokratie, die auf den drei Grundpfeilern Basisdemokratie, Ökologie und Geschlechterbefreiung aufbaut.

Seit dem 9. Oktober 2019 ist dieses Projekt wieder im Visier des Erdogan-Regimes. Mit dem völkerrechtswidrigen Angriff soll dieser über sechs Jahre andauernde Prozess zerstört und Rojava zurück in den Kriegszustand gebombt werden. Der erneute Krieg brachte wieder neues Leid und Vertreibungen nach Nordostsyrien. Betroffen davon sind wieder einmal die Menschen, die nach dem Sieg über die Terrormiliz „Islamischer Staat” (IS) zu etwas Ruhe gekommen waren und ihren zerstörten Lebensraum aufbauten. Die Bilanz des jüngsten Angriffs: Hunderte Tote, tausende Verletzte und über 300.000 Vertriebene.

Mit Beginn des Krieges zogen internationalen Hilfsorganisationen alle ihre Mitarbeiter*innen aus Rojava ab. Denn die Türkei hatte bei ihren Angriffen medizinische Einrichtungen und Fahrzeuge bombardiert. Auch deutsche NGOs wie die Berliner Hilfsorganisation Cadus und medico international aus Frankfurt am Main kritisierten, dass gekennzeichnete Krankenhäuser und Krankenwagen, die durch die Genfer Konventionen geschützt sind und nicht angegriffen werden dürfen, gezielt von islamistischen Verbündeten des AKP-Regimes attackiert wurden. Außerdem prangerten an, dass die internationale Empörung über die Angriffe auf den Kurdischen Roten Halbmond weitgehend ausgeblieben sei.

Doch die Nothelfer*innen der humanitären Einrichtung haben mit ihrer Arbeit in akuten Krisensituationen viel Erfahrung gesammelt – bei der Invasion von Efrîn und der Rettung der Ezid*innen in Şengal im Nordirak. Zudem organisieren sie die medizinische Versorgung in den hoffnungsvoll überlasteten Flüchtlingslagern in den selbstverwalteten Gebieten von Rojava.

Die kurdischen Studierendenverbände YXK und JXK nehmen die Hilfe, die unter anderem der deutsche Staat nicht zu leisten gewillt ist, nun selbst in die Hand. Bei einem Konzert am 24. Januar im Kasseler Kulturzentrum Färberei treffen dank dieser Initiative fünf verschiedene Gruppen und Künstler*innen für eine gemeinsame Sache aufeinander: Solidarität mit Rojava. Sie erheben die Stimme für den berechtigten Widerstand und spielen für die Menschen, die ihre Unterdrückung nicht hinnehmen. Der gesamte Erlös wird an Heyva Sor a Kurdistanê gespendet.