TEV-DEM: Der IS ist besiegt, der Kampf geht weiter

Nach dem Sieg der Demokratischen Kräfte Syriens über die Terrororganisation IS erklärt TEV-DEM, dass der Kampf für ein freies Kurdistan und Demokratie in Syrien und im Mittleren Osten weitergeht.

Die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) haben ihre Offensive gegen den „Islamischen Staat“ erfolgreich abgeschlossen. Die Besatzung von Nord- und Ostsyrien ist beendet. Die Bewegung für eine demokratische Gesellschaft (TEV-DEM) hat eine Stellungnahme dazu abgegeben:

„Der IS, der jahrelang die Völker Syriens und des Iraks, des Mittleren Ostens und der gesamten Welt tyrannisiert hat, ist in Syrien vom kurdischen, arabischen, aramäischen, armenischen, turkmenischen und tschetschenischen Volk besiegt worden. Wir gedenken voller Respekt und Dankbarkeit den Gefallenen, die bei der Niederlage des IS eine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Den Kriegsversehrten wünschen wir Erfolg bei ihrem weiteren Kampf.

Zu dem Sieg über den IS gerade in der Gegend, in der er am stärksten war, haben die Völker und die demokratischen Kräfte der Welt beigetragen. Die Kurden, die Araber und die Suryoye haben jedoch an vorderster Front gekämpft und den höchsten Preis dafür gezahlt. 8500 Kurd*innen, über 2000 Araber*innen, Hunderte Suryoye und Hunderte Internationalist*innen aus der ganzen Welt haben im Kampf gegen den IS ihr Leben verloren. Mehr als doppelt so viele haben bleibende Schäden erlitten. Der gemeinsame Kampf der Völker hat gleichzeitig dazu geführt, dass die ideologische und politische Richtung dieses Kampfes und des umzusetzenden demokratischen Systems deutlich geworden sind.

Der IS wurde vor allem von den im 19. und 20. Jahrhundert von äußeren Mächten und despotischen Kräften aus der Region geschaffenen Problemen genährt. Er hat den Glauben und die Kultur der Völker missbraucht, um eine faschistische Diktatur als Gesamtheit aller Unterdrückungssysteme in der Geschichte aufzubauen.

Die Demokratie- und Freiheitskräfte, die unter kurdischer Führung gegen den IS gekämpft haben, verfolgen das Ziel, die im Mittleren Osten in Tausenden Jahren und in den letzten Jahrhunderten entstandenen Probleme zu lösen und ein demokratisches Syrien und einen demokratischen Mittleren Osten aufzubauen, der auf der Geschwisterlichkeit der Völker und einer demokratischen Nation basiert.

Gegen den IS ist ein Krieg geführt worden, bei dem Tausende Menschen gefallen sind. Ausschlaggebend für die Niederlage des IS sind die Ideologie einer demokratischen Gesellschaft, die Solidarität der Völker in der Region und weltweit sowie die daraus entstandenen Werte. Der konkreteste Beweis dafür, dass der IS durch eine ideologische Linie und die daraus hervorgegangenen Überzeugungen besiegt worden ist, sind die zwölf Guerillakämpfer, die den IS in Şengal aufgehalten und ein noch viel größeres Massaker verhindert haben. Vor allem die Kurden, aber auch die Araber und Suryoye haben den IS mit dem von Abdullah Öcalan vorgelegten Modell einer demokratischen Nation und eines konföderalistischen Systems basierend auf einer demokratischen Gesellschaft besiegt. Diese ideologisch-politische Linie hat den bewaffneten Kampf zum Erfolg geführt.

Der IS hat vor allem die Kurden und die Völker der Region angegriffen, aber er ist als bewaffnete Gruppierung gegen die gesamte Menschheit aufgetreten. Mit Massakern, Angst und Grausamkeit sollten die Völker des Mittleren Ostens und der Welt zur Kapitulation gezwungen werden. Menschen weltweit haben gesehen, wie die Kurden im Irak in Şengal, Mexmûr und Kerkûk sowie in Syrien in Kobanê und im gesamten Norden des Landes gegen den IS Widerstand geleistet haben. So wurde aus Solidarität mit den Kurden der 1. November zum Welt-Kobanê-Tag erklärt und überall gingen die Menschen auf die Straßen. Die Menschen in Nordkurdistan und der Türkei machten im Oktober 2014 einen Aufstand in Pirsûs an der Grenze und leisteten damit große Unterstützung für den Kampf gegen den IS.

Weil der IS zu einer Gefahr für die gesamte Menschheit wurde, ist eine internationale Koalition gegründet worden. Angesichts der weltweiten Unterstützung für Kobanê ist diese Koalition mit Luftangriffen Teil des Kampfes geworden. Auf diese Weise ist erreicht worden, dass die Koalition eine Rolle im Kampf gegen den IS übernimmt. Wären die Völker und die Kämpfer*innen nicht gewesen, die entsprechend einer politischen Linie gekämpft haben, hätte die von vierzig Staaten gegründete Koalition trotz all ihrer Waffen nichts ausrichten können. Aus diesem Grund haben sich die Kräfte der internationalen Koalition bei den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) bedankt. Der IS, der zu einer Plage für die ganze Welt geworden ist, verlor dank dem hohen Preis, den die revolutionär-demokratischen Kräfte gezahlt haben, innerhalb kurzer Zeit an Einfluss.

Innerhalb des Kampfes gegen den IS ist in Rojava und Nordsyrien die Grundlage für ein demokratisches System gelegt worden, die sich in ganz Syrien und dem Mittleren Osten auswirkt. Erstmalig ist im Mittleren Osten auf dieser Ebene eine emotionale Bindung zwischen den Völkern entstanden. Verschiedene Völker, Nationen und Glaubensrichtungen haben im gemeinsamen Kampf ein demokratisches System erschaffen, das als Modell für Frieden, Stabilität, Demokratie und Freiheit im Mittleren Osten gelten kann.

Aus der ganzen Welt sind Hunderte und sogar Tausende Internationalist*innen nach Rojava gekommen, um das demokratische und freiheitliche System in Nordsyrien zu schützen. Viele von ihnen sind gefallen oder verletzt worden. Diese Werte werden bei unserem künftigen Kampf als Grundsteine eines demokratisch-freiheitlichen Systems weiter Bestand haben. Ihre Sehnsüchte werden in einem freien Kurdistan, in einem demokratischen Syrien und Mittleren Osten weiterleben.

Ihr habt den größten Preis für die Niederlage des IS gezahlt und eine ausschlaggebende Rolle in diesem Sieg gespielt. Daher habt Ihr am allermeisten das Recht, den Sieg über den IS zu feiern. Der Sieg über den IS muss überall gefeiert werden, überall muss deutlich gemacht werden, dass der Kampf für ein freies und autonomes Nordsyrien und ein demokratisches Syrien gegen jeden Aggressor geführt werden wird.“