Raubrodung in Metîna

Die Türkei hat einem paramilitärischen Dorfschützerverband aus Nordkurdistan den Auftrag zur Plünderung von Waldflächen in Metîna erteilt. Fotos dokumentieren die Dimension der Abholzung, es wird von Tausenden Bäumen ausgegangen.

Im Zuge der türkischen Besatzungsoperation in Südkurdistan werden die betroffenen Gebiete in der Grenzregion seit Monaten bombardiert und es werden absichtlich Wälder in Brand gesetzt. Für den Ausbau der militärischen Infrastruktur finden zugleich gezielte Rodungen statt. Wie jetzt bekannt wurde, hat der türkische Staat als Besatzungsmacht einem Dorfschützerverband aus Nordkurdistan den Auftrag zur Plünderung von Waldflächen in Metîna erteilt. Nach vorliegenden Informationen wurden Şehmus Babat und weitere Anführer der paramilitärischen Dorfschützer aus dem Gebiet Sêgorkê in Şirnex (tr. Şırnak) am 20. Oktober damit beauftragt, Wälder in Derarê und Nizurê am Berggipfel Zendûra zu roden.

Die Rodungsarbeiten haben bereits begonnen, das Gebiet wurde nach der mit Dutzenden schweren Arbeitsmaschinen durchgeführten Abholzung niedergebrannt. Die gefällten Bäume werden mit Lastwagen abtransportiert. Fotos dokumentieren die Dimension der Plünderung, es wird von Tausenden Bäumen ausgegangen. Die vorliegenden Fotos zeigen lediglich einen Ausschnitt der Raubrodung.

In den vom türkischen Staat besetzten Gebieten gehören Kriegsverbrechen wie die Bombardierung von Wohnorten, die Ermordung von Zivilist:innen, die Vertreibung der Bevölkerung, Entführungen, Exekutionen, Folter und Plünderungen zur Alltagsroutine. Wie systematisch bei den türkischen Feldzügen geplündert wird, wurde besonders 2018 bei der Besatzung von Efrîn deutlich. Die eingesetzten dschihadistischen Söldner wurden mit Kriegsbeute belohnt, die Oliven-Produktion komplett beschlagnahmt.

Bei der Ende April gestarteten Militäroperation in Südkurdistan wurden bereits im Mai und Juni mit Bäumen beladene Lastwagen beobachtet, die aus den besetzten Gebieten in Metîna und Heftanîn auf türkisches Staatsgebiet zurückkehrten. Die südkurdische PDK hatte diesem Raub zugestimmt und große Flächen Land an den türkischen Staat veräußert. Das Holz wurde von verschiedenen türkischen Firmen auf den Markt gebracht. Nach massiven Protesten wurden die Rodungen vorübergehend eingestellt.

Auch in Nordkurdistan, insbesondere in der Provinz Şirnex, sind in diesem Jahr große Waldflächen abgeholzt worden.