Rojava: Solarenergie als Alternative zu Dieselgeneratoren

Trotz Krieg und permanenten Angriffen macht die ökologische Entwicklung von Rojava weitere Fortschritte. Immer mehr Landarbeiter:innen stellen ihre Bewässerungseinrichtungen von Diesel auf Solarenergie um.

Aufgrund der immer weiter zunehmenden Trockenheit und der Reduzierung des Durchflussniveaus des Euphrat durch den türkischen Staat ist die Landwirtschaft in Nordostsyrien auf energieaufwendige Pumpsysteme zur Bewässerung angewiesen. Das sinkende Euphrat-Niveau betrifft jedoch auch die Stromversorgung, so dass die Pumpsysteme nicht mehr versorgt werden können. Die Bäuer:innen waren daher bisher vor allem auf Dieselgeneratoren angewiesen. In der aktuellen Landwirtschaftsperiode stellen immer mehr von ihnen auf Solartechnologie um. Je nach der Tiefe, aus der das Wasser gepumpt werden muss, sind dafür mehr oder weniger Solarpanele notwendig.

Einer der Landarbeiter, die auf Solartechnologie umgestellt haben, ist Taha al-Najim. Auf seinen Feldern bei Til Temir hat es seit drei Jahren praktisch nicht geregnet. Al-Najim beschaffte 102 Sonnenkollektoren, um seine 40-PS-Pumpe zu betreiben. Die Pumpe fördert Wasser aus einem 175 Meter tiefen Brunnen und bewässert damit 420 Hektar Weizenfelder.

Zum Unterschied zwischen dieselbetriebenen Generatoren und Solarenergie sagt al-Najim gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA: „Solarenergie ist saubere Energie und gut für die Umwelt. Sie ist jedoch in der Regel von der Tageszeit und der Sonneneinstrahlung abhängig. Aus diesem Grund reicht die erzeugte Energie für die Bewässerung von Anbauflächen nicht aus. Dieselbetriebene Generatoren kann man immer benutzen, aber sie bringen viele Probleme mit sich, vor allem die hohen Kosten für Diesel."

Ein anderer Landwirt aus Qamişlo, Yusif Ramadan, installierte 96 Solarzellen auf seinem Feld, mit denen er eine 40-PS-Pumpe antreibt. Ramadan erklärt, dass die Installation von Solarmodulen anfangs teuer sei, aber auf die Dauer besser als dieselbetriebene Generatoren. Die Kosten für die Installation eines Solarmoduls liegen zwischen 110 und 180 US-Dollar, je nach Marke und Größe des Moduls sowie den Kosten für die Herstellung der Gerüste, der Kabel und der Batterie.

Unterstützung vom Landwirtschaftskomitee

Eines der Grundprinzipien der selbstverwalteten Region Nord- und Ostsyrien ist die Ökologie. Trotz Kriegsbedingungen wird versucht, ökologisch nachhaltig zu handeln. Nayif Ibrahim, Ko-Vorsitzender des Komitees für Landwirtschaft und Bewässerung des Kantons Qamişlo, sagt: „Wir unterstützen die Nutzung der Solarenergie, weil sie gut für die Umwelt ist und weniger kostet.“ Allerdings gebe es bisher keine Möglichkeiten, den Bäuer:innen Panele zur Verfügung zu stellen.

Das Landwirtschaftskomitee und die Brennstoffdirektion in Nord- und Ostsyrien verteilen weiterhin Dieselöl an Landwirt:innen für die Bewässerung ihrer Felder. Einige Landwirt:innen kritisieren die verspätete Verteilung von Dieselkraftstoff und stellen fest, dass dieser nicht ausreiche, um Generatoren und Pumpen zu betreiben.